Cuanscadan-Appetizer


Die Altstadt

Verwinkelte Gassen, ausgetretene Steinwege, uralte Häuschen, die sich dicht aneinander drängen – das ist die Altstadt Cuanscadans. Ein Erainner aus der dörflichen Umgebung, der sich zum ersten Mal in das Straßengewirr verirrt, wird sich verloren fühlen und in die Weite des Umlandes zurücksehnen. Dabei sind die oftmals buckligen Häuser mit ihren teils bedrohlich steilen, manchmal sehr flachen Giebeldächern ein Relikt vergangener Jahrhunderte, die trotz Verfalls und kriegerischer Konflikte immer und immer wieder in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit aufgebaut wurden.

Die meisten der Häuser sind einstöckig gehalten, doch gibt es auch Bauten mit zwei Stockwerken. Die Fenster sind in der Regel mit kleinen Glasscheiben bestückt. Die Enge der Altstadt bedingt es, dass nur sehr wenige Häuser über einen schmalen Hof oder gar Garten verfügen. Die meisten sind versehen mit einem oder mehreren Kellerräumen, die in den Kalkstein getrieben wurden. Unterhalb der Altstadt erstreckt sich das weitläufige Kanalsystem der valianischen Besatzer, das aber längst nicht mehr im Sinne der Erbauer genutzt wird. In manchen Bereichen mag es noch intakt sein, an vielen Stellen jedoch kam es zum Einbruch der Kanalwände, während andere Teile von Gesindel zu zwielichtigen Zwecken umgestaltet wurden.


A16 Tabakhändler: Birkin Pfeifenkrauts heimeliger Laden "Birkins Feine Pfeifen und Tabake" in der Mausegasse empfängt den Gast mit dem würzigen Geruch ausgesucht guten Tabaks, wie er in bester Qualität im Fearann Ruadh geerntet wird. Birkin Pfeifenkraut, ein zuvorkommender Halbling mit einnehmendem Lächeln, drängt jedem ein "Pfeifchen zum Probieren" auf. Er ist gleichsam wegen seines vorzüglichen Rauchwerks und seiner Gutmütigkeit beliebt, und seine unerreicht gute Ware verkauft er keinesfalls überteuert.

Besonders stolz ist der Halbling auf seine reichhaltige Pfeifensammlung, die auch außergewöhnliche Exponate aus nahezu allen Winkeln Midgards umfasst. Seine besten Stücke sind das seltene und filigran geschnitzte Exemplar einer Calabash aus Buluga und eine reich ornamentierte Wasserpfeife von Muzdalifa aus Eschar; teure Einzelstücke, die er aber bereitwillig und stolz dem ernsthaften Pfeifenschmaucher präsentieren wird. Wenn ihn seine streitsüchtige Angetraute Pinabell nicht aus den Träumen von besseren, aber fernen Zeiten reißt, belohnt er den Kunden mit den Berichten haarsträubender und gefahrvoller Reisen, die er für jede seiner Pfeifen bestehen musste. Seine Ehefrau wird im Hintergrund murren, dass davon kaum die Hälfte stimmt.


Nathir, die Allumfassende Schlange

Das Volk der Schlange verehrt Nathir, die Allumfassende Schlange, deren Zeichen die ihren eigenen Schwanz berührende Schlange als Symbol des Ewigen Kreislaufs allen Seins ist. Ihre Farben sind das Silber des Mondes, das Grün der Wiesen und Wälder und das Blau des Meeres und des Himmels. Nathir ist keine Gottheit in gewöhnlichem Sinn, sondern sie ist die Personifikation der vereinten Seele ihres Volkes und der Kräfte von Nadhúr, der Natur an sich.

Im Gegensatz zu vielen anderen Religionen kennt der Glaube an Nathir keinen Dualismus wie Gut-Böse, Licht-Finsternis, Chaos-Ordnung usw. Zustände zwischen den Extremen und Zeiten des Übergangs haben besondere Bedeutung: die Dämmerung zwischen Tag und Nacht; der Tau, der weder Regen, noch Meereswasser, noch Wasser eines Flusses oder Brunnens ist; die Mistel, die weder Baum noch Kraut ist. Der Schlüssel zum Weltbild des Volkes der Schlange ist die Verschmelzung zwischen der spirituellen, der physischen und der imaginären Kraft.

Nathir lebt in ihrem Volk und braucht so keine Priesterschaft und keine vom Rest der Gläubigen abgehobenen Druidenzirkel. Feierlichkeiten zu Ehren der Allumfassenden Schlange werden von den Bana tiolai geleitet, den Frauen unter den Anwesenden, die über die Tiolais Nathrach (Gabe der Schlange) verfügen. Eng verwoben mit den Prinzipien der Grünen Magie, d.h. des Dweomer, werden diese Rituale zu Zeiten und an Orten abgehalten, die Knotenpunkte des magischen Flusses sind. Tempel kennt das Volk der Schlange nicht; es praktiziert seinen Glauben unter freiem Himmel an heiligen Orten, z.B. in geweihten Hainen, an Quellen oder auffälligen Felsformationen. Um höchste Wirkung zu erreichen, wird die Harmonie dieser Orte durch geringfügige Veränderungen (Pflanzungen, Steinsetzungen, Felsornamente etc.) erhöht. Jede dieser heiligen Stätten wird von einem ihr eigenen Naturgeist gehütet, der als Katze, Vogel, Schlange oder Fisch sichtbar werden kann - aber auch je nach den Absichten und der inneren Einstellung eines Besuchers als abschreckendes Monster oder als wunderschönes menschliches Wesen.


 



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